Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage polarisiert bei den Wiener Festwochen
Friederike RuppersbergerAngélica Liddells radikale Mishima-Hommage polarisiert bei den Wiener Festwochen
Angélica Liddells neueste Performance Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben feierte bei den Wiener Festwochen Premiere. Das Stück ist Teil des diesjährigen Festivalschwerpunkts Die Republik der Götter und wurde im Volkstheater aufgeführt. Die Inszenierung verbindet Ästhetik des japanischen Nō-Theaters mit roher westlicher Performance-Kunst und gipfelt in einer spektakulären, blutbespritzten Szene.
Die Performance bezieht ihre Inspiration maßgeblich aus Leben und Tod des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima. Liddell setzt sich mit seinem rituellen Selbstmord auseinander und verwebt das Thema zu einer zweistündigen, in einen ekstatischen Lobgesang auf den Freitod mündenden Produktion. Das Stück bricht diese Intensität immer wieder durch irritierende Unterbrechungen und Momente schwarzhumoriger Absurdität auf – etwa wenn ein Bodybuilder neben sich entkleidenden jungen Männern auf der Bühne steht.
Den Anstoß für das Werk gab ein Erlebnis Liddells: 2024 wurde sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Für die Performance sammelte ihre Compagnie Atra Bilis Teatro Kleidungsstücke und persönliche Erinnerungsstücke von Hinterbliebenen. Auf der Bühne trägt Liddell diese Kleidung, um sich in die Geschichten und Motive der Verstorbenen hineinzuversetzen. Bereits früher im Festival hatte das Volkstheater mit Mythen des Alltags eine weitere Premiere desselben Programms gezeigt.
Die Aufführung stellt einen gewagten Höhepunkt der Wiener Festwochen dar. Sie verbindet persönliche Tragödie mit theatralischem Experiment, bietet ein zugleich eindringliches und zum Nachdenken anregendes Erlebnis. Die Produktion bleibt ein zentraler Bezugspunkt der festivalweiten Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und Kunst.






