24 March 2026, 20:32

Berliner Buchladen klagt gegen Extremismus-Vorwurf und löst Solidaritätswelle aus

Ein schwarzes Gesetzbuch mit einer goldenen Krone auf dem Cover, vor einem weißen Hintergrund.

Berliner Buchladen klagt gegen Extremismus-Vorwurf und löst Solidaritätswelle aus

Ein traditionsreiches Berliner Buchgeschäft wehrt sich gegen seinen Ausschluss von einem nationalen Preis aufgrund politischer Vorwürfe. "Zur schwankenden Weltkugel", ein linksgerichteter Buchladen, der für sein Sortiment zu radikaler Politik und Philosophie bekannt ist, wurde 2026 von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen. Kulturminister Wolfram Weimer stufte das Geschäft als "linksextremistisch" ein – woraufhin die Betreiber rechtliche Schritte einleiteten und eine Welle der Solidarität auslösten.

Der Streit eskalierte, als Weimer die Streichung mit "verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen" begründete – also Hinweisen auf Verbindungen zu extremistischen Kreisen. Im Gespräch mit der "Zeit" betonte er, steuerfinanzierte Preise dürften nicht an "politische Extremisten" vergeben werden. Der 2002 gegründete Buchladen ist Teil des linksalternativen "Schwarze Risse"-Kollektivs und spezialisiert sich seit Langem auf Werke zu Marxismus, Psychoanalyse und radikaler Literatur.

Die Betreiber forderten Weimer daraufhin auf, seine Äußerungen zurückzunehmen. Als er sich weigerte, reichten sie beim Berliner Verwaltungsgericht einen Eilantrag ein (Aktenzeichen: VG 6 L 229/26), um der Regierung zu untersagen, sie oder ihre Arbeit als extremistisch zu brandmarken.

Weimers Ministerium rechtfertigte die Aussagen mit dem Hinweis, Minister müssten solche Positionen frei äußern dürfen. Das Gericht bestätigte den Eingang des Falls, ein Termin für eine Entscheidung steht jedoch noch aus. Verlage wie "Werkstatt Verlagsauslieferung" unterstützten öffentlich den Buchladen, doch abseits des Preisstreits gerieten keine konkreten Bücher oder Projekte in die Kritik.

Die juristische Auseinandersetzung liegt nun beim Berliner Verwaltungsgericht, dessen Urteil Präzedenzcharakter für die Frage haben könnte, wie politische Zuordnungen die Kulturförderung beeinflussen. Bis dahin führt der Buchladen seinen Betrieb fort. Der Fall spiegelt die Spannungen zwischen Meinungsfreiheit, staatlicher Aufsicht und den Grenzen politischer Debatten in Deutschland wider.

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