Berlins Ausbildungsabgabe bringt Startups in Rage – doch löst sie das Problem?
Heidelore BinnerBerlins Ausbildungsabgabe bringt Startups in Rage – doch löst sie das Problem?
Berlins neue Ausbildungsabgabe sorgt für Wut bei lokalen Startups
Die von Abgeordnetenhaus beschlossene Regelung zwingt Unternehmen, in einen Fonds einzuzahlen, wenn sie nicht genug Ausbildungsplätze anbieten. Gründer kritisieren, die Maßnahme treffe vor allem Betriebe, die auf moderne, unkonventionelle Arbeitsmodelle setzen – und das zu Unrecht.
Mit der Abgabe sollen jährlich rund 75 Millionen Euro von Firmen eingezogen werden, die ihre Ausbildungsquoten nicht erfüllen. Doch viele Unternehmer monieren, sie gehe am eigentlichen Problem vorbei: dem sinkenden Interesse junger Menschen an klassischen Berufsausbildungen.
Ab 2028 müssen Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten sicherstellen, dass 4,6 Prozent ihrer Belegschaft Auszubildende sind – andernfalls drohen finanzielle Strafen. Derzeit liegt Berlins Ausbildungsquote bei nur 3,1 Prozent und damit deutlich unter dem Bundesschnitt. Fast 40 Prozent der befragten Betriebe haben bereits jetzt Schwierigkeiten, Ausbildungsstellen zu besetzen – ein Hinweis darauf, dass die Probleme tiefer liegen als bloße Betriebsunlust.
Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, nannte die Abgabe ein "falsches Signal" aus Berlin. Sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen, nicht auf traditionelle Lehrlingsausbildung. Moritz Kreppel von Urban Sports Club kritisierte, die Regelung bestrafe Startups, deren Tätigkeitsfelder schlicht nicht zum Ausbildungsmodell passten.
Agnieszka Walorska, Mitgründerin des Fintechs Mika, verwies auf das nachlassende Interesse junger Menschen an beruflicher Ausbildung als die eigentliche Herausforderung. Marius Meiners von Peec AI ergänzte, die Einstellung von Azubis sei für technologielastige Unternehmen oft schlicht unpraktikabel. Er warnte, die Abgabe könnte Deutschland als Standort für Unternehmenswachstum noch unattraktiver machen.
Die Regelung stellt Unternehmen vor die Wahl: entweder mehr ausbilden oder zahlen. Kritiker halten ihr vor, das Kernproblem zu ignorieren – die Kluft zwischen veralteten Ausbildungssystemen und modernen Arbeitswelten. Da die Umsetzung noch Jahre auf sich warten lässt, dürfte die Debatte über Gerechtigkeit und Wirksamkeit der Abgabe weitergehen.






