Deutsche Industrie bricht ein: 341.500 Jobs seit 2019 gestrichen – und es werden mehr
Thea LübsDeutsche Industrie bricht ein: 341.500 Jobs seit 2019 gestrichen – und es werden mehr
Deutscher Industriesektor verliert massiv an Arbeitsplätzen
In den vergangenen Jahren hat die deutsche Industrie erhebliche Jobverluste hinnehmen müssen. Seit 2019 wurden 341.500 Stellen abgebaut – das entspricht jedem siebzehnten Arbeitsplatz. Der Abwärtstrend zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung, im Gegenteil: Auch in diesem Jahr wurden weitere Kürzungen bekannt gegeben.
Bis Ende des ersten Quartals 2026 hatte die Branche bereits 127.300 Arbeitsplätze abgebaut, ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erst kürzlich kündigte der Chemiekonzern Evonik an, weitere 3.200 Stellen zu streichen, vor allem an seinen deutschen Standorten. Hohe Lohnkosten, die 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen und mehr als doppelt so hoch sind wie in Asien oder Osteuropa, treiben Unternehmen dazu, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern.
Immer mehr Großkonzerne verlegen inzwischen Fertigung und Forschung in internationale Märkte. Als Gründe nennen sie nicht nur die hohen Löhne, sondern auch übermäßige Bürokratie und teure Energie. Eine „Produktion für den lokalen Markt vor Ort“-Strategie gewinnt an Fahrt: Unternehmen verlagern ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten näher an ihre Absatzmärkte.
Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets bis 2030 fließen zwar weiterhin nach Deutschland, doch vor allem in die Instandhaltung bestehender Anlagen und Automatisierung – nicht in Expansion. Nur 16 Prozent der Unternehmen planen, ihre Belegschaft im Land aufzustocken; für Westeuropa sieht die Prognose ähnlich aus. Fast jedes befragte Industrieunternehmen will dagegen bis 2030 seine Präsenz in Indien ausbauen, wo es mit einem Umsatzwachstum von 4 Prozent rechnet – allerdings mit nur wenigen neuen Arbeitsplätzen.
Störungen in den Lieferketten bleiben das größte betriebliche Risiko für die Unternehmen und fördern eine stärkere Regionalisierung der Produktion. Der Rückzug aus Deutschland spiegelt breitere wirtschaftliche Belastungen wider, darunter hohe Kosten und administrative Hürden. Statt auf Wachstum im Inland setzt die Branche nun auf Effizienz und den Erhalt des Bestehenden.
