11 May 2026, 00:33

Flaggenstreit in der Weimarer Republik: Wie zwei Farben Deutschland spalteten

Deutsche Flagge über Text auf einem Plakat angezeigt, wahrscheinlich erklärt sie ihre Bedeutung.

Flaggenstreit in der Weimarer Republik: Wie zwei Farben Deutschland spalteten

Der Flaggenstreit in Deutschland verschärfte sich während der Weimarer Republik und spaltete die politischen Lager in verfeindete Gruppen. Bis zur Präsidentschaftswahl 1925 hatten sich zwei Blöcke gebildet: einer, der Schwarz-Rot-Gold unterstützte, und ein anderer, der für Schwarz-Weiß-Rot eintrat. Der Konflikt erreichte sogar die diplomatischen Vertretungen im Ausland, wo beide Flaggenvarianten nebeneinander gehisst werden mussten.

Die Ursprünge des Streits reichen bis zur Revolution von 1918/19 zurück, als die Spartakisten und später die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) Rot als Nationalfarbe durchsetzen wollten. Viele Konservative akzeptierten zunächst Schwarz-Rot-Gold in der Hoffnung, dies würde den Weg für eine Vereinigung mit Österreich unter der Parole des „großdeutschen“ Gedankens ebnen. Doch nachdem die Alliierten den Anschluss Österreichs blockierten, stellte sich die Rechte entschlossen hinter Schwarz-Weiß-Rot, während sich die Parteien der Weimarer Koalition – einschließlich der Kommunisten – um Schwarz-Rot-Gold scharten.

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Die Nationalversammlung hatte versucht, den Konflikt mit einem Kompromiss beizulegen: Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge und eine Handelsflagge, die beide Entwürfe vereinte. Doch die Spannungen blieben bestehen. Der Reichs-Kunstwart Edwin Redslob wurde damit beauftragt, die „künstlerische Gestaltung“ der Reichssymbole zu klären, scheiterte jedoch daran, eine einheitliche Reichsflagge zu schaffen. Selbst innerhalb der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) gab es Befürworter von Schwarz-Weiß-Rot, die befürchteten, eine Änderung könnte den Handelsschiffsverkehr beeinträchtigen.

Am 5. Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung, die deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas verpflichtete, beide Flaggenvarianten zu zeigen. Der Schritt sollte die Rechte besänftigen, entfachte jedoch den Protest von Links- und Mitteparteien und festigte deren Unterstützung für Schwarz-Rot-Gold. Hindenburg versuchte später in einem offenen Brief, die Gemüter zu beruhigen, und rief zu einer verfassungsmäßigen Lösung auf. Doch seine Verordnung erfüllte nicht die Forderungen der Rechten und ließ Reichskanzler Hans Luther zwischen den Fronten stehen.

Der Flaggenkonflikt blieb ungelöst, und beide Seiten verhärteten ihre Positionen. Die Zweite Flaggenverordnung hatte die Gräben nur vertieft und den Streit als Symbol für die politischen Brüche Deutschlands zementiert. Gegen Ende der 1920er-Jahre standen sich die verfeindeten Lager – Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weiß-Rot – als unversöhnliche Markierungen der ideologischen Spaltung der Nation gegenüber.

Quelle