Golfkonflikt zwingt Villeroy & Boch zu drastischer Prognosesenkung für 2026
Friederike RuppersbergerIranischer Krieg verschlechtert Ausblick für Villeroy & Boch - Golfkonflikt zwingt Villeroy & Boch zu drastischer Prognosesenkung für 2026
Villeroy & Boch senkt Prognose für 2026 nach Eskalation des Golfkonflikts
Der Keramikhersteller Villeroy & Boch hat seine Finanzprognose für 2026 deutlich nach unten korrigiert, nachdem der eskalierende Golfkonflikt Handel und Lieferketten schwer beeinträchtigt hat. Das Unternehmen rechnet nun mit rückläufigen Umsätzen und Gewinnen – ein deutlicher Rückschlag nach den zuvor erwarteten Wachstumsaussichten. Die Folgen des Krieges auf die Energiepreise und die regionale Instabilität zwingen das Unternehmen, seine Planungen anzupassen.
Noch im Jahr 2025 hatte Villeroy & Boch einen Umsatzanstieg von 1,8 Prozent auf rund 1,45 Milliarden Euro verzeichnet. Der Nettogewinn kletterte auf 14,7 Millionen Euro – nach 6,6 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen investierte 2025 insgesamt 45,8 Millionen Euro, unter anderem in die Modernisierung der Lagersysteme am Standort Merzig sowie in neue Brenntechnologien in Torgau.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Optimierung der Produktion, darunter die geplante Schließung des Werks im belgischen Roeselare. Dies folgte auf die Übernahme des belgischen Badausstatters Ideal Standard im März 2024.
Doch die Lage verschärfte sich dramatisch, als sich der Golfkonflikt Anfang 2026 weiter zuspitzte und am 28. Februar in einen offenen Krieg mündete. Ausgelöst wurde die Eskalation durch US-israelische Luftangriffe, bei denen Irans Staatschef Ali Chamenei getötet wurde. Der Iran reagierte mit Drohnen- und Raketenangriffen auf Energieanlagen des Golfkooperationsrats in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Straße von Hormus wurde blockiert, der Ölpreis schnellte von 72 auf über 82 Dollar pro Barrel in die Höhe, und der Gaspreis stieg auf über 50 Euro pro Megawattstunde.
Für Villeroy & Boch hat dies schwerwiegende Folgen: Im Golfraum und in Israel sind die Geschäfte praktisch zum Erliegen gekommen. Die Umsätze in diesen Regionen dürften im April nur noch bei 30 Prozent des Vorjahresniveaus liegen. Das Unternehmen hat seine Prognose für 2026 daher deutlich nach unten korrigiert und erwartet nun einen Rückgang des Umsatzes im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das bereinigte EBIT soll auf 75 bis 85 Millionen Euro sinken – nach 97,8 Millionen Euro im Jahr 2025.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges zwingen Villeroy & Boch, die Erwartungen für 2026 deutlich zu reduzieren. Steigende Energiekosten und lahme Absatzmärkte in der Region belasten sowohl die Erträge als auch den Umsatz. Die weiteren Folgen des Konflikts für den Welthandel und die globalen Lieferketten verschärfen die Herausforderungen für das Unternehmen zusätzlich.






