HKW in Berlin: Warum ein Rap-Konzert die Kulturwelt spaltet
Friederike RuppersbergerHKW in Berlin: Warum ein Rap-Konzert die Kulturwelt spaltet
Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steht im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte über Meinungsfreiheit und Antisemitismus. Ein geplantes Konzert des schwäbischen Rappers Chefket wurde Anfang 2026 abgesagt, nachdem dieser ein umstrittenes T-Shirt getragen hatte – eine Entscheidung, die in ganz Europa für Aufsehen sorgte. Die Folgen haben die Institution unter Kritik gestellt und die politischen Gräben vertieft.
Chefket, der vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt worden war, sollte am 7. Oktober 2026 im HKW auftreten. Die Veranstaltung wurde jedoch nach massivem Druck von Kulturminister Wolfram Weimer abgesagt. Dieser hatte sich gegen das T-Shirt des Künstlers ausgesprochen, das mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels unter dem Schriftzug "Palästina" bedruckt war. Die Absage löste eine Welle der Solidarität unter deutschen Künstlern aus, die sich weigerten, aus Protest in dem Haus aufzutreten.
Die Entscheidung befeuerte die politische Debatte in Deutschland, wobei sich parteiübergreifend Unterstützung für strengere Regeln bei der Kulturförderung formierte. Gleichzeitig sagten andere europäische Länder wie Frankreich und die Niederlande vorsorglich ähnliche Rap-Veranstaltungen ab und verschärften damit die Prüfung von Künstlern mit umstrittenen politischen Positionen.
Das HKW, seit 2023 unter der Leitung des kamerunischen Biologen Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, sieht sich seit Langem Kritik an seinem "postkolonialen" Programm ausgesetzt. Trotz seiner prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts erhielt die Einrichtung bisher kaum bundespolitische Beachtung. Eine Ausstellung des Satirikers Jan Böhmermann mit dem Titel "Die Möglichkeit des Unvernunft" sollte die Probleme des Hauses ins Rampenlicht rücken – doch der internationale Ruf des HKW blieb weiter auf dem Spiel.
Auch jüngste Veranstaltungen, darunter ein Auftritt des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil, konnten die angespannte Stimmung nicht entkrampfen. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten bleibt derweil ungelöst, während Kritiker argumentieren, dass die Debatten um deutschen Rap nur von den eigentlichen Problemen ablenken.
Die Absage von Chefkets Konzert hat das HKW isoliert zurückgelassen – kein deutscher Künstler ist mehr bereit, dort aufzutreten. Der Vorfall zwingt europäische Regierungen zudem dazu, Kulturveranstaltungen mit politischen Untertönen neu zu bewerten. Unterdessen bleibt die Zukunft der Institution ungewiss, während die politischen und künstlerischen Spannungen anhalten.