Maria Kolesnikowa erhält nach Jahren Haft den Karlspreis für ihren Mut
Falk HornigSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält nach Jahren Haft den Karlspreis für ihren Mut
Die belarussische Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa hat endlich den Internationalen Karlspreis erhalten, mit dem sie bereits 2022 ausgezeichnet worden war. Die feierliche Verleihung fand am Samstag im historischen Krönungssaal von Aachen statt. Kolesnikowa, eine Schlüsselfigur der Massenproteste 2020 gegen Alexander Lukaschenko, verbrachte fünf Jahre im Gefängnis, bevor sie Ende vergangenen Jahres freigelassen wurde.
Der Karlspreis 2022 würdigte Kolesnikowas "außergewöhnlichen Mut" im Kampf für demokratische Rechte und freie Wahlen in Belarus. Sie war wegen ihrer Rolle in den Protesten, die Lukaschenkos autoritäres Regime herausforderten, zu elf Jahren in einer Strafkolonie verurteilt worden. Der seit 1950 jährlich verliehene Preis ehrt Persönlichkeiten, die sich besonders für die europäischen Werte einsetzen.
Kolesnikowa wurde im Dezember 2025 im Rahmen einer Amnestie freigelassen, bei der Lukaschenko 123 politische Gefangene entließ. Dieser Schritt folgte einer Lockerung der US-Sanktionen und Bemühungen Minsks, die Beziehungen zum Westen zu verbessern. Nach ihrer Freilassung gewährte ihr Deutschland politisches Asyl und schützte sie so vor weiterer Verfolgung.
Trotz ihrer Freilassung bleibt Belarus fest unter Lukaschenkos Kontrolle. Von den Protesten des Jahres 2020 ist nichts geblieben, und die Repression hält an. UN-Berichte dokumentieren anhaltende Menschenrechtsverletzungen, darunter erzwungene Exile, während Lukaschenko enge Bindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin pflegt. Gleichzeitig sucht Minsk diplomatische Annäherung nicht nur an den Westen, sondern auch an China und die Taliban.
In diesem Jahr ging der Karlspreis an Mario Draghi, den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank und Italiens Ex-Ministerpräsidenten. Die Auszeichnung für Kolesnikowa unterstreicht jedoch ihre anhaltende Bedeutung im Kampf für die Demokratie in Belarus.
Kolesnikowa lebt nun unter Asyl in Deutschland, nachdem sie Jahre wegen ihres Widerstands gegen Lukaschenko im Gefängnis verbracht hat. Die Verleihung des Karlspreises stellt einen seltenen Moment internationaler Anerkennung für ihren Einsatz dar. Doch in Belarus hat sich nichts geändert: Lukaschenkos Regime unterdrückt weiterhin Oppositionelle und pflegt strategische Bündnisse im Ausland.