Nadav Lapid zieht sich vom FID Marseille nach Boykott-Debatte zurück
Friederike RuppersbergerNadav Lapid zieht sich vom FID Marseille nach Boykott-Debatte zurück
Ein Streit ist um die geplante Teilnahme des israelischen Regisseurs Nadav Lapid beim Internationalen Filmfestival FID Marseille entbrannt. Die Kontroverse führte zu einem kulturellen Boykott, bei dem zahlreiche Filmschaffende ihre Werke vom Festival zurückzogen. Lapid zog sich schließlich zurück, um den Druck auf die Veranstalter zu verringern.
Der Konflikt begann, als Lapid eingeladen wurde, als Jurymitglied am Festival teilzunehmen. Die Regisseurin Tsveta Dobreva betonte, die Einladung basiere allein auf der Wertschätzung für sein künstlerisches Schaffen. Dennoch zogen rund zehn Filmschaffende, darunter die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, ihre Filme aus Protest zurück.
Über 350 Branchenvertreter:innen, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief gegen den Boykott. Die Zeitung Le Monde veröffentlichte zwei unterstützende Stellungnahmen, von denen eine sich gegen ein „intellektuelles Versagen“ aussprach und für den weiteren Dialog plädierte. Eine zweite, mit dem Titel „Kino ist keine Botschaft“, kritisierte den Boykott dafür, einen Künstler auf seine Nationalität zu reduzieren.
Lapid, ein scharfer Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in Frankreich. Sein jüngster Film „Yes“ wurde von Variety als schonungslose Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben. Angesichts des wachsenden Drucks erklärte er sich bereit, zurückzutreten, äußerte jedoch Frustration über die Situation.
Das Festival verlor mit Lapids Rückzug eine zentrale Figur, nachdem der Boykott an Fahrt aufgenommen hatte. Viele Filmschaffende zogen ihre Beiträge zurück, und der Regisseur trat zurück, um weitere Komplikationen für die Veranstaltung zu vermeiden. Die Debatte offenbart tiefe Gräben in der Frage, wie kultureller Austausch und politische Identität miteinander vereinbar sind.






