Nur 5 Prozent der Klimaschutz-Schulden flossen in echte Investitionen
Friederike RuppersbergerNur 5 Prozent der Klimaschutz-Schulden flossen in echte Investitionen
Eine neue Studie des ifo Instituts in München zeigt, dass nur 5 Prozent der zusätzlichen Schulden Deutschlands aus dem "Sonderfonds Klimaschutz und Transformation" tatsächlich in öffentliche Investitionen flossen. Die restlichen 95 Prozent wurden umgeschichtet, um reguläre Haushaltsausgaben zu senken – und so Mittel für weniger produktive laufende Kosten freizumachen. Kritiker bemängeln, dass dieser Schritt kaum etwas zur Verbesserung der Infrastruktur oder zur Erreichung der Klimaziele beigetragen hat.
Wirtschaftsexperten, darunter ifo-Präsident Clemens Fuest, warnen, dass eine weitere Schuldenaufnahme ohne Kürzungen bei nicht essenziellen Ausgaben die Gefahr birgt, Gelder zu verschwenden. Die Debatte kommt zu einem Zeitpunkt, an dem auch Österreich mit ähnlichen Problemen kämpft: hohe Steuern und schrumpfende private Investitionen belasten die Wirtschaft.
Die Erkenntnisse des ifo Instituts offenbaren eine eklatante Fehlsteuerung im deutschen Sonderfonds. Zwar erhielt der Klimaschutz- und Transformationsfonds (KTF) 2025 zehn Milliarden Euro – doch die tatsächlichen Investitionen lagen mit 8,3 Milliarden Euro unter den Zielen und sogar noch unter dem Niveau von 2024. Von den insgesamt aufgenommenen Schulden flossen nur fünf Prozent in neue Projekte, der Rest diente dazu, Kürzungen an anderer Stelle auszugleichen. In den ersten beiden Jahren des Fonds wurden keine größeren Infrastrukturvorhaben genehmigt oder ausgeschrieben.
Statt in die Instandhaltung von Straßen zu fließen, werden die Einnahmen aus der Mineralölsteuer nun in den allgemeinen Haushalt umgeleitet. Ähnlich verhält es sich in Österreich: Die einst für den Wohnungsbau bestimmte Wohnbauförderungsabgabe wird mittlerweile in die Sozialversicherung umgelenkt – ohne jeden Bezug zum Wohnungsmarkt. Beide Länder stehen in der Kritik, Mittel von ihrem ursprünglichen Zweck abzuziehen.
Experten betonen, dass höhere Steuern allein das Problem nicht lösen werden. Österreichs öffentlicher Investitionsanteil am BIP liegt bereits über dem Deutschlands, doch die privaten Investitionen gehen seit zwei Jahren kontinuierlich zurück. Unternehmen nennen die Größe des Staates und bürokratische Hürden als Hauptgründe für ihre Zurückhaltung. Clemens Fuest und andere fordern die Regierungen auf, nicht priorisierte Ausgaben zu stürzen und stattdessen bessere Rahmenbedingungen für private Investitionen zu schaffen.
Die Studie unterstreicht ein Muster der Fehlallokation in Deutschland und Österreich: Trotz hoher Steuern und steigender Schulden bleiben die versprochenen Vorteile für Infrastruktur und Klimaschutz weitgehend aus. Ohne klarere Prioritäten und Ausgabenkürzungen warnen Analysten, dass weitere Steuererhöhungen keine spürbaren Verbesserungen bringen werden.






