"Reclaim the Night" in Berlin-Kreuzberg eskaliert mit Ausschreitungen und Festnahme
Friederike Ruppersberger"Reclaim the Night" in Berlin-Kreuzberg eskaliert mit Ausschreitungen und Festnahme
Über 2.000 Menschen demonstrierten in Berlin-Kreuzberg am Vorabend des 1. Mai
Am Vorabend des 1. Mai zogen mehr als 2.000 Menschen durch Berlin-Kreuzberg zur jährlichen Frauendemonstration. Die unter dem Motto "Reclaim the Night" bekannte Veranstaltung versammelte nach Polizeischätzungen rund 2.600 Teilnehmende. Die Stimmung war angespannt, da die Demonstrantinnen und Demonstranten ihren Protest gegen Rassismus, Queerfeindlichkeit und Frauenhass in der Gesellschaft lautstark zum Ausdruck brachten.
Die Kundgebung begann am Kottbusser Damm und zog sich durch den Stadtteil in Richtung Köpenicker Straße. Die Organisatorinnen hatten eine 90-minütige Demonstration geplant, brachen sie jedoch wegen zunehmender Ausschreitungen zehn Minuten früher ab. Feuerwerkskörper explodierten in der Nähe von Einsatzkräften, und Gegenstände flogen auf die Polizeikette – die ohnehin geladene Atmosphäre eskalierte weiter.
Allein am Donnerstag, einschließlich der Walpurgisnacht, waren rund 1.800 Polizistinnen und Polizisten in ganz Berlin im Einsatz, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Trotz des massiven Polizeiaufgebots wurden vier Fahrzeuge – sowohl Privatwagen als auch Streifenwagen – beschädigt. Eine Person wurde festgenommen, nachdem sie angeblich eine Beamtin beleidigt haben soll.
Die Teilnehmenden machten mit einer gemeinsamen Erklärung ihre Haltung deutlich: "Es ist an der Zeit, unsere Wut zu bündeln und uns gegen rassistische, queerfeindliche und frauenverachtende Belästigung auf unseren Straßen zu wehren – und gegen die patriarchale Gesellschaft, die sie erst möglich macht. Wir weigern uns, uns anzupassen; stattdessen holen wir uns zurück, was uns rechtmäßig zusteht." Die Stimmung blieb während des vorzeitig beendeten Marsches kämpferisch.
Die Demonstration endete früher als geplant, hinterließ aber ihre Spuren in der Stadt. Die Polizei meldete Sachbeschädigungen und eine Festnahme, während die Organisatorinnen die Dringlichkeit ihrer Botschaft betonten. Die Veranstaltung unterstrich die anhaltenden Spannungen zwischen Aktivistinnen und Behörden in der Berliner Protestkultur.






