Reform der Altersvorsorge: Warum Verbraucher gegen 1,5 Prozent Gebühren kämpfen
Friederike RuppersbergerGünstigere Rente gefordert: 100.000 Menschen unterzeichnen Petition - Reform der Altersvorsorge: Warum Verbraucher gegen 1,5 Prozent Gebühren kämpfen
Die Pläne der Bundesregierung zur Reform der privaten Altersvorsorge haben Kritik von Verbraucherschützern ausgelöst. Die vorgeschlagene Obergrenze von 1,5 Prozent Gebühren für das neue staatlich geförderte Sparmodell wird von Experten und potenziellen Nutzern gleichermaßen als zu hoch bewertet. Bereits über 100.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die strengere Grenzen für die Kosten fordert.
Das aktuelle Riester-Rente-System, das 2001 eingeführt wurde, verzeichnet einen deutlichen Popularitätsverlust. Bis 2024 sank die Zahl der aktiven Verträge auf unter 15 Millionen, wobei jeder vierte geförderte Vertrag gekündigt wurde und bis zu 25 Prozent keine Beiträge mehr erhalten. Kritiker verweisen auf überhöhte Kosten – Anbieter behalten anfangs 35 bis 45 Prozent der Einzahlungen ein – sowie auf magere Renditen: Zwei Drittel der Verträge erzielten über die Laufzeit nicht einmal 2 Prozent Wachstum.
Der Reformentwurf der Regierung sieht ein neues Standardprodukt mit einer jährlichen Gebührenobergrenze von 1,5 Prozent sowie höhere einkommensabhängige Zuschüsse vor. Eine Umfrage des Verbraucherportals Finanztip zeigt jedoch, dass 78 Prozent der potenziellen Nutzer niedrige Gebühren als entscheidend für ihre Teilnahme ansehen. Nur 23 Prozent halten den vorgeschlagenen Grenzwert von 1,5 Prozent für akzeptabel, während 30 Prozent eine Obergrenze von 0,5 Prozent befürworten und 28 Prozent maximal 1 Prozent tolerieren würden.
Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, argumentiert, dass die 1,5-Prozent-Grenze Banken und Versicherungen begünstige – und nicht die Sparer. Berechnungen der Organisation zeigen, dass selbst geringe Gebührenunterschiede die endgültige Rentenhöhe über die Jahre deutlich schmälern. Viele Nutzer unterschätzten zudem, wie sich kumulierende Kosten langfristig auf die Ersparnisse auswirkten, so die Stiftung.
Als Reaktion fordert die Finanztip Stiftung eine strengere Gebührenobergrenze von 0,5 Prozent. Die von über 100.000 Unterschriften unterstützte Petition appelliert an die Politik, die Bezahlbarkeit des neuen Systems in den Vordergrund zu stellen.
Ziel der Reform ist es, die ungeliebte Riester-Rente durch ein transparenteres Modell zu ersetzen. Doch da die Mehrheit der Sparer niedrigere Gebühren verlangt, bleibt die vorgeschlagene 1,5-Prozent-Grenze umstritten. Die endgültige Gesetzgebung, die voraussichtlich 2027 in Kraft tritt, wird zeigen, ob die Kosten ausreichend gesenkt werden, um das Vertrauen in die staatlich geförderte Altersvorsorge wiederherzustellen.