Tausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Misshandlung
Falk HornigTausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Misshandlung
Tausende Menschen gingen am Wochenende in Köln und Bonn auf die Straße, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren. Die Demonstrationen folgten einer jüngsten Der-Spiegel-Untersuchung zu digitaler Misshandlung, die die öffentliche Debatte über die Sicherheit von Frauen neu entfacht hat. Politiker:innen und Aktivist:innen forderten strengere gesetzliche Schutzmaßnahmen und riefen Männer dazu auf, mehr Verantwortung im Kampf gegen Frauenfeindlichkeit zu übernehmen.
Am Samstag zogen in Köln über 5.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt durch die Stadt. Der Protest fand nur wenige Tage statt, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, in einem Der-Spiegel-Bericht öffentlich der digitalen Misshandlung beschuldigt hatte. Die Vorwürfe lösten erneute Diskussionen über Online-Belästigung und rechtliche Schutzlücken für Betroffene aus.
Am folgenden Tag versammelten sich in Bonn mehr als 500 Demonstrant:innen auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus. Organisiert von einem Bündnis aus Stadtratsparteien – Grünen, CDU, SPD und Volt – stieß die Veranstaltung auf breite Unterstützung. Politikerinnen der Frauen-Union der CDU schlossen sich den Forderungen nach schärferen Schutzmaßnahmen für Frauen an.
Bei beiden Kundgebungen betonten Redner:innen, wie wichtig es sei, dass Männer gewalttätiges und frauenfeindliches Verhalten hinterfragen. Ein Plakat in Bonn trug die Aufschrift "Girls just wanna be safe" – eine Anspielung auf den Hit von Cindy Lauper. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für gesetzliche Reformen zum Schutz von Frauen einzusetzen.
Die Proteste fallen mit bundespolitischen Initiativen gegen digitale Gewalt zusammen. Das Kabinett hat ein Gesetz verabschiedet, das elektronische Fußfesseln für gewalttätige Ex-Partner vorsieht; es wird derzeit im Bundestag beraten. Gleichzeitig arbeitet das Justizministerium an einem Gesetzentwurf, der die Erstellung und Verbreitung nicht einvernehmlich hergestellter Nacktaufnahmen und sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll. Beide Vorhaben befinden sich noch in internen Regierungsberatungen, konkrete Maßnahmen auf Landesebene wurden bisher nicht angekündigt.
Die Demonstrationen in Köln und Bonn zeigten den wachsenden öffentlichen Druck für gesetzliche Schritte gegen sexualisierte Gewalt. Bundesweite Pläne zu elektronischer Überwachung und der Strafverfolgung von Deepfake-Delikten kommen voran, doch ihre endgültige Ausgestaltung steht noch aus. Aktivist:innen fordern weiterhin schnellere und konkretere Maßnahmen, um die Sicherheit von Frauen – sowohl im Netz als auch im Alltag – zu verbessern.






