Wie ein Berliner Theater-Experiment gegen Lampenfieber scheiterte
Ein kühner Versuch, die Lampenfieber zu überwinden, nahm in Berlin eine unerwartete Wendung. Der Plan sah vor, sich einer Reihe theatralischer Herausforderungen zu stellen – beginnend mit dem Besuch jeder Vorstellung eines berüchtigten Schauspielers, der regelmäßig nackt auf der Bühne steht. Doch das Erlebnis erwies sich als intensiver als gedacht und zwang zu einer vorläufigen Pause.
Alles begann mit dem Rat einer Freundin: eine Desensibilisierungstherapie durch Konfrontation. Die erste Aufgabe klang einfach – jede Aufführung eines Hauptdarstellers besuchen, der dafür bekannt ist, sich komplett zu entkleiden. Dieser Schauspieler hatte zudem die Angewohnheit, mitten in der Szene aus seiner Rolle zu fallen.
Das ausgewählte Stück war eine optisch beeindruckende Produktion über Apokalypse, Durchhaltevermögen und Gemeinschaft. Trotz anfänglicher Nervosität reagierte das Publikum leidenschaftlich. Die meisten brachen in Applaus aus, doch ein einzelner Zuschauer rief wütend ein Buh aus dem Dunkeln.
Nach mehreren Vorstellungen wurde die Belastung zu groß. Eine Welle der Übelkeit setzte ein, die zu einer dringenden Auszeit zwang. Die Erholung kam später – in Form von „Frühling für Hitler“ – ein weitaus leichter verdauliches Stück. Auf der ursprünglichen Liste der Herausforderungen stand noch ein letzter, einschüchternder Punkt: eine Kreuzfahrt mit Pflichtbesuch bei „Heino trifft Rammstein". Doch die bleibt vorerst ungetestet.
Ein Detail stieg besonders ins Auge: Das Stück stammte – entgegen mancher Annahme – nicht von René Pollesch.
Das Experiment zeigte sowohl die Grenzen der Konfrontationstherapie als auch die Intensität der Berliner Theaterszene. Zwar lösten die Auftritte des nackten Schauspielers starke Reaktionen aus, doch eine Erkenntnis kristallisierte sich klar heraus: Nicht alle Ängste lassen sich auf einen Schlag überwinden. Die Kreuzfahrt-Herausforderung bleibt vorerst auf Eis.






