500-Milliarden-Fonds in der Krise: Wurden Klimaschutzgelder zweckentfremdet?
Heidelore BinnerGrüne werfen Union und SPD vor, Versprechen zur Verfassungsänderung für Sondervermögen zu brechen - 500-Milliarden-Fonds in der Krise: Wurden Klimaschutzgelder zweckentfremdet?
Ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das im März 2025 zur Förderung von Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz geschaffen wurde, gerät wegen angeblichen Missbrauchs in die Kritik. Gegner werfen der Regierung vor, der Großteil der Gelder sei für sachfremde Zuwendungen statt für den eigentlichen Zweck ausgegeben worden. An der Debatte beteiligen sich führende Politiker, Ökonomen und Forschungsinstitute, die die Verteilung der Mittel infrage stellen.
Der Fonds wurde durch eine Grundgesetzänderung eingerichtet, rückwirkend zum 1. Januar 2025. Die 500 Milliarden Euro verteilten sich auf den Bund (300 Milliarden), die Länder und Kommunen (100 Milliarden) sowie den Klima- und Transformationsfonds (100 Milliarden). Die Grünen hatten auf eine strenge "Zusätzlichkeitsregel" gedrängt, um sicherzustellen, dass die Mittel ausschließlich neue Investitionen wie Brücken, Schulen und Klimaprojekte fördern. Ihre Unterstützung sicherte die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag für die Verfassungsänderung.
Doch bereits Ende 2025 häufen sich kritische Stimmen: Das Institut der deutschen Wirtschaft kam zu dem Schluss, dass 86 Prozent der ausgezahlten Gelder zweckentfremdet wurden, während das ifo Institut behauptete, 95 Prozent der im selben Jahr aufgenommenen 24,3 Milliarden Euro flossen nicht in Investitionen. Das Bundesfinanzministerium wies diese Vorwürfe zurück und bezeichnete die zugrundeliegenden Vergleiche als fehlerhaft.
Die Kritik wird lauter. Der Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld warf SPD, CSU und CDU vor, den Fonds falsch verwaltet zu haben. FDP-Chef Christian Dürr forderte Bundeskanzler Friedrich Merz auf, die Politik zu korrigieren, während die Grünen CDU/CSU und SPD vorwarfen, ihr Versprechen zur Ausnahme von der Schuldenbremse gebrochen zu haben. Berichten zufolge lenkten Merz und der SPD-Co-Vorsitzende Lars Klingbeil Mittel in Richtung von Partikularinteressen um – statt in die vereinbarten Investitionen.
Die Zukunft des Sondervermögens ist ungewiss. Angesichts widersprüchlicher Angaben über die Mittelverwendung wächst der Druck auf die Regierung, die Ausgaben offenzulegen. Die Entwicklung wird zeigen, ob der Fonds seinem ursprünglichen Zweck gerecht wird – oder ob er weiter wegen finanzieller Fehlsteuerung in der Kritik steht.






