09 June 2026, 10:26

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen: Kulturstreit um russisches Erbe

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen: Kulturstreit um russisches Erbe

Denkmal für Mikhail Bulgakov in Kiew abgerissen

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Am 4. Juni 2023 wurde in Kiew das Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss dazu kam vom Stadtrat im Rahmen einer umfassenderen Initiative, Symbole mit Bezug zum russischen Imperialismus abzubauen. Die Statue hatte jahrzehntelang vor dem Bulgakow-Museum am Andrejassteig gestanden.

Die lokale Kulturpersönlichkeit Olga Popadjuk kritisierte den Schritt scharf. Sie argumentierte, dass Bulgakows enge Verbindung zu Kiew die Entfernung ungerechtfertigt und kurzsichtig mache.

Der Kiewer Stadtrat hatte die Beseitigung des Bulgakow-Denkmals als Teil einer breiter angelegten Kampagne angeordnet. Dabei ging es um Objekte, die mit Kulturschaffenden in Verbindung stehen, die als Repräsentanten der russischen Imperialpolitik gelten. Während einige Befürworter die Maßnahme als Schritt zur Entkolonialisierung begrüßten, sahen andere darin einen Angriff auf das eigene kulturelle Erbe Kiews.

Popadjuk betonte Bulgakows tiefe Verwurzelung in der Stadt. Der in Kiew geborene Schriftsteller hatte als Arzt in der Ukraine gearbeitet, bevor er als Autor Berühmtheit erlangte. Sie erinnerte sich daran, wie sie mit vierzehn Jahren zum ersten Mal Der Meister und Margarita gelesen habe – ein Buch, das einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen habe.

In ihrer Kritik bezeichnete Popadjuk den Abriss als sinnlos. Den Versuch, „den Schriftsteller mit einem Kran zu besiegen“, nannte sie zwecklos und zitierte dabei Bulgakows eigene Worte: „Verderben beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“ Ihre Äußerungen unterstrichen die Spaltung zwischen denen, die die Entfernung für notwendig halten, und jenen, die darin eine Auslöschung eines Teils der kulturellen Identität Kiews sehen.

Die Beseitigung des Denkmals spiegelt die anhaltenden Spannungen um das kulturelle Gedächtnis in der Ukraine wider. Bulgakows Werke werden nach wie vor viel gelesen, und sein Erbe in Kiew bleibt umstritten. Vorerst ist der Platz, an dem einst das Denkmal stand, leer – und mit ihm die ungelöste Frage nach dem Verhältnis der Stadt zu ihrer Vergangenheit.

Quelle