Familienunternehmen warnen vor stiller Abwanderung aus Deutschland
Friederike RuppersbergerFamilienunternehmen warnen vor stiller Abwanderung aus Deutschland
Zum ersten Jahrestag der schwarz-roten Koalition hat die Stiftung Familienunternehmen und Politik die Bundesregierung scharf kritisiert. Die Organisation, die über 600 mittelgroße und große Familienbetriebe vertritt, wirft der Regierung vor, die hohen Erwartungen der Unternehmen enttäuscht zu haben. Vorstandsmitglied Rainer Kirchdörfer warnte, die deutsche Wirtschaft „blute langsam und leise aus“.
Kirchdörfer verwies auf die wachsende Verärgerung unter Familienunternehmen, die zwar in Deutschland investieren wollten, aber zunehmend ins Ausland abgedrängt würden. Inländische Hürden wie übermäßige Bürokratie und hohe Kosten zwängen viele dazu, ihre Gewinne woanders zu suchen. Er betonte, dass ein Scheitern für die aktuelle Regierung keine Option mehr sei – auch wenn er wenig Hoffnung auf tiefgreifende Reformen habe.
Das Vorstandsmitglied wies zudem auf übergeordnete wirtschaftliche Risiken hin. Er warnte, die USA untergrüben die Planbarkeit des Welthandels, während sich die europäische Führung in bürokratischen Grabenkämpfen verstricke. Ohne vernünftige Rahmenbedingungen, so Kirchdörfer, hätten es sowohl Familienunternehmen als auch die nächste Generation schwer, die Zukunft Deutschlands mitzugestalten.
Die Sorgen der Stiftung gehen über akute finanzielle Belastungen hinaus. Kirchdörfer betonte, das exportgetriebene deutsche Wirtschaftsmodell stehe auf dem Spiel, wenn die Politik nicht schnell die Bedingungen für heimische Unternehmen verbessere.
Die Kritik kommt zu einer Zeit, in der Familienbetriebe – eine zentrale Säule der deutschen Wirtschaft – im Inland mit immer größeren Herausforderungen kämpfen. Angesichts geringer Aussichten auf Bürokratieabbau oder Ausgabensenkungen deuten die Warnungen der Stiftung auf eine tiefere Verunsicherung über den wirtschaftlichen Kurs des Landes hin. Die Koalition steht nun unter Druck, diese Bedenken zu adressieren, bevor weiterer Schaden entsteht.






