Halles Marienbibliothek kämpft um ihr historisches Erbe und Überleben
Heidelore BinnerHalles Marienbibliothek kämpft um ihr historisches Erbe und Überleben
Halles Marienbibliothek – Deutschlands älteste öffentliche Bibliothek kämpft ums Überleben
Seit 1552 steht die Marienbibliothek in Halle – sie ist nicht nur die älteste öffentlich zugängliche Bibliothek Deutschlands, sondern zählt auch zu den bedeutendsten historischen Sammlungen des Landes. Mit seltenen Büchern, die bis ins Mittelalter zurückreichen, genießt sie weltweites Ansehen. Doch trotz ihres Rufs sieht sich die Bibliothek heute drängenden finanziellen Herausforderungen gegenüber.
Gegründet im Oktober 1552, ist die Marienbibliothek die älteste durchgehend nutzbare öffentliche Bibliothek ihrer Art in Deutschland. Ihr erster Standort war der südliche Hausmannsturm der Marktkirche. 1607 bezog sie ein eigenes Gebäude, bevor sie 1887 in den heutigen Bau im Innenhof der Marktkirche umzog.
Die Bibliothek beherbergt rund 36.000 Bände, überwiegend aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Darunter befinden sich über 435 Inkunabeln – Drucke, die vor 1501 entstanden – sowie 308 handschriftliche Manuskripte. Besonders hervorzuheben ist die Bibelsammlung mit geschätzten 400 bis 500 Exemplaren, wobei bisher erst 40 Prozent des gesamten Bestands katalogisiert sind.
Viele Werke gelangten als Schenkungen in die Bibliothek, darunter rund 150 Bücher aus dem Besitz von Felicitas von Selmenitz. Ein besonderes Stück ist eine Lutherbibel von 1554 mit einer handschriftlichen Widmung Martin Luthers. Zudem bewahrt die Bibliothek umfangreiche wissenschaftliche Sammlungen, etwa 1.540 juristische Schriften von Dr. Joachim Oelhafen und 560 medizinische Dissertationen von Professor Friedrich Hoffmann.
Seit 16 Jahren leitet Anke Fiebiger die Einrichtung. Unter ihrer Führung verlieh die Marienbibliothek Exponate an Ausstellungen in den USA und festigte so ihren internationalen Ruf. Doch die Zukunft der Bibliothek ist ungewiss: Die veraltete Gaslöschanlage muss dringend erneuert werden, und die unersetzliche Sammlung ist bis heute nicht versichert.
Die Marienbibliothek bewahrt einige der bedeutendsten historischen Schriften Europas. Ohne Mittel für dringende Sanierungen jedoch ist ihr Vermögen, diese Schätze zu schützen, akut gefährdet. Ihr Fortbestand hängt nun davon ab, ob es gelingt, die notwendige Unterstützung für die kritischen Infrastrukturmaßnahmen zu sichern.






