Kölner Archiv-Einsturz 2009: Zwei Tote, verlorene Geschichte und eine unendliche Baustelle
Friederike RuppersbergerKölner Archiv-Einsturz 2009: Zwei Tote, verlorene Geschichte und eine unendliche Baustelle
Ein verheerender Einsturz im Jahr 2009 zerstörte das Kölner Stadtarchiv und begrub 1,7 Millionen historische Dokumente unter sich. Dabei kamen zwei junge Männer ums Leben, als sich unter ihren Häusern ein Grundwasserkrater auftat. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Baustelle immer noch nicht fertiggestellt, und die juristischen Verfahren wurden inzwischen eingestellt.
Der Einsturz ereignete sich während des U-Bahn-Baus für die Nord-Süd-Linie, ein Projekt unter der Aufsicht der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Obwohl die KVB über keine Erfahrung mit derartigen Arbeiten verfügte, leitete sie die Baustelle. Vor der Katastrophe waren kritische Stahlträger gestohlen und als Schrott verkauft worden – die Statik des Gebäudes war dadurch fatally geschwächt.
Zwei Nachbarn, 18 und 20 Jahre alt, starben, als ihre Häuser in den Krater stürzten. Der Abgrund verschlang jahrzehntelange Aktenbestände; Experten schätzen, dass ein Drittel der Dokumente für immer verloren ist. Die Restaurierung der geborgenen Materialien wird voraussichtlich bis mindestens 2050 andauern.
2022 brachte der Künstler Reinhard Matz mit "Klagelied in acht Tafeln" eine Installation an der Bauzäunen an, die den Einsturz thematisiert. Die Aktivistengruppe ArchivKomplex kämpft seit 2011 für eine Mitsprache bei der Neugestaltung des Geländes und für ein würdevolles Mahnmal. Doch bis 2023 war nur ein Teil des Kraters verfüllt – die Stelle bleibt eine offene Wunde.
Die juristischen Verfahren wurden 2024 eingestellt, da die Angeklagten nur als mittelbar verantwortlich galten und das öffentliche Interesse erloschen war. Die neue U-Bahn-Linie, einmal fertiggestellt, wird Fahrgästen acht Minuten sparen – genau die Zeit, die der Einsturz des Archivs dauerte.
Die Katastrophe tilgte unwiederbringliche Geschichte und forderte zwei Menschenleben, doch die Baustelle ist bis heute nicht abgeschlossen. Ohne juristische Konsequenzen und mit jahrzehntelangen Restaurierungsarbeiten wirkt das Erbe des Einsturzes nach. Die versprochene Effizienz der U-Bahn steht in scharfem Kontrast zu den Jahren des Stillstands und des Verlusts.






