Pflegeversicherung vor 22-Milliarden-Loch: Wer zahlt die Rechnung für die Reformen?
Falk HornigPflegeversicherung vor 22-Milliarden-Loch: Wer zahlt die Rechnung für die Reformen?
Deutschlands Pflegeversicherung steht vor finanziellen Problemen: Bis 2026 droht ein Defizit von 22 Milliarden Euro. Gesundheitsministerin Nina Warken will bis Mitte Mai ein Sparpaket vorlegen, um die Lücke zu schließen. Kritiker warnen jedoch, dass die geplanten Reformen besonders schutzbedürftige Pflegebedürftige hart treffen könnten.
Das aktuelle System sieht Zuschüsse für stationäre Pflege vor, die mit der Dauer des Aufenthalts steigen. Bereits jetzt zahlen Heimbewohner im Schnitt 3.200 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Eine zentrale Maßnahme der Reform sieht vor, diese Zuschüsse zu stunden – was die Eigenbeteiligung weiter in die Höhe treiben würde.
Der Gesundheitsökonom Heinz Rothgang schätzt, dass die Änderungen die monatlichen Kosten für Pflegeheimbewohner um durchschnittlich 161 Euro erhöhen würden. Über viereinhalb Jahre summiert sich das auf fast 20.000 Euro Mehrbelastung pro Person. Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse DAK, forderte Warken auf, die Pläne zu überdenken. Die Reformen könnten das Armutsrisiko für Pflegebedürftige weiter verschärfen, warnte er.
Storm rechnet zudem mit einem weiteren umstrittenen Vorhaben: die Halbierung der Rentenansprüche für pflegende Angehörige. Dies würde die finanzielle Unterstützung für Menschen weiter kürzen, die bereits mit hohen Pflegekosten kämpfen.
Ziel der Reformen ist es, die Finanzen der Pflegeversicherung zu stabilisieren. Doch sie könnten die Last für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen weiter erhöhen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, träten sie in Kraft, während das Defizit weiter wächst – viele stünden dann vor höheren Kosten bei gleichzeitig geringeren Absicherungen. Warkens finale Vorschläge werden in den kommenden Wochen erwartet.






