Weniger Pendler in Sachsen-Anhalt: Fachkräfte suchen ihr Glück woanders
Friederike RuppersbergerAnzahl der Pendler in Sachsen-Anhalt leicht gesunken - Weniger Pendler in Sachsen-Anhalt: Fachkräfte suchen ihr Glück woanders
Die Zahl der Pendler, die zur Arbeit über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinweg ein- und ausreisen, ist leicht zurückgegangen. Stand Juni 2025 verließen rund 148.000 Einwohner das Bundesland für ihren Arbeitsplatz, während 75.700 Berufstätige einpendelten. Experten führen den Rückgang auf eine verlangsamte Jobentwicklung in der Region und darüber hinaus zurück.
Viele derjenigen, die Sachsen-Anhalt verlassen, sind Fachkräfte auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten. Gleichzeitig bleibt das Land weiterhin auf Pendler aus den Nachbarregionen angewiesen, um lokale Arbeitskräftelücken zu schließen.
Etwa jeder fünfte Erwerbstätige in Sachsen-Anhalt arbeitet außerhalb des Bundeslandes. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass im Juni 2025 rund 148.000 Menschen zum Arbeiten auspendelten – etwa 600 weniger als im Vorjahr. Die meisten steuern Sachsen, Niedersachsen oder Thüringen an, wo Löhne und Jobchancen oft attraktiver sind.
Der Großteil der Auspendler übt spezialisierte Berufe aus. Besonders stark vertreten sind die Bereiche verarbeitendes Gewerbe, Einzelhandel, Fahrzeugreparatur, Logistik und Baugewerbe. Wirtschaftliche Unterschiede treiben viele weg: Die niedrigeren Löhne und begrenzten Stellenangebote in Sachsen-Anhalt – vor allem in den Branchen IT, Ingenieurwesen, Gesundheitswesen und Automobilbau – führen dazu, dass Fachkräfte täglich oder wöchentlich in wirtschaftsstärkere Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg oder Hessen pendeln.
Auch die Zahl der Einpendler ist gesunken. Aktuell kommen etwa 75.700 Berufstätige nach Sachsen-Anhalt, weniger als in früheren Erhebungen. Die meisten stammen aus Sachsen, Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg, rund 5.400 reisen aus dem Ausland an. Sie füllen oft Engpässe in Handwerks- und Industrieberufen, in denen vor Ort qualifiziertes Personal fehlt.
Demografische Veränderungen verschärfen die Problematik. Eine alternde Bevölkerung und der kontinuierliche Wegzug junger Menschen – jährlich verlassen etwa 20.000 das Land – führen zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Die 150.000 grenzüberschreitenden Pendler, die 2023 gezählt wurden, waren größtenteils Fachkräfte, die in prosperierenden Wirtschaftszweigen anderer Regionen arbeiteten.
Markus Behrens, Regionaldirektor der Bundesagentur für Arbeit, nannte die schwächere Jobentwicklung als Hauptgrund für den Rückgang. Sowohl die Zahlen der Ein- als auch der Auspendler seien gesunken, was die allgemeinen wirtschaftlichen Trends auf dem Arbeitsmarkt widerspiegle.
Die Pendlerströme in Sachsen-Anhalt verdeutlichen die anhaltenden wirtschaftlichen und demografischen Herausforderungen. Angesichts begrenzter lokaler Arbeitsplatzangebote und höherer Löhne anderswo verlassen weiterhin qualifizierte Arbeitskräfte das Land. Der leichte Rückgang beim grenzüberschreitenden Pendeln deutet auf eine abkühlende Konjunktur hin, doch bleibt das Bundesland auf Arbeitskräfte von außerhalb angewiesen, um Schlüsselbranchen zu stützen.