23 March 2026, 04:29

Neslihan Arol revolutioniert den türkischen Meddah mit Feminismus und Humor in Berlin

Gruppe von Menschen auf einer Bühne mit einem Banner, auf dem "Berlin as Fuck" steht, mit Lautsprechern, Mikrofonen und einer Menge unten, die ihre Hände hebt.

Neslihan Arol revolutioniert den türkischen Meddah mit Feminismus und Humor in Berlin

Neslihan Arol bringt frischen Wind in die traditionelle türkische Erzählkunst auf Berlins Bühnen. Mit einer Mischung aus Comedy, mehrsprachigem Witz und feministischen Themen hält sie die jahrhundertealte Kunst des Meddah lebendig – und das mit einer Teelichtkerze als ihr Markenzeichen. Durch Humor, Wärme und scharfsinnige politische Reflexion schafft sie eine besondere Verbindung zu ihrem Publikum.

Ihr Weg auf die Bühne war alles andere als geradlinig. Ursprünglich studierte Arol Chemieingenieurwesen, doch ihre Leidenschaft für die Schauspielerei führte sie zu einem Master in Theaterwissenschaft. Ihr Vater hatte sie von einer künstlerischen Laufbahn abgehalten und vor den Unsicherheiten der Branche gewarnt. Doch sie ließ sich nicht beirren und schrieb ihre erste große Arbeit über Clowns aus feministischer Perspektive.

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2014 kam sie nach Berlin, um sich mit Comedy, Clownerie, Stand-up und Meddah zu beschäftigen – einer traditionellen türkischen Erzählform. In den folgenden acht Jahren entwickelte sie einen einzigartigen Stil, der alte Traditionen mit modernen türkisch-deutschen Themen verbindet. Heute arbeitet sie multimedial, kollaboriert mit lokalen Künstler:innen und tritt in Häusern wie dem HAU Hebbel am Ufer oder dem Ballhaus Naunynstraße auf.

Auf der Bühne wechselt Arol mühelos zwischen Deutsch, Türkisch und Englisch und verkörpert in einer einzigen Vorstellung Dutzende Figuren. Da sie das klassische Theater für Frauen als zu begrenzt empfand, entdeckte sie die Clownerie als Werkzeug, um Normen infrage zu stellen und Machtstrukturen bloßzulegen. Ihre Auftritte sind lebendig, politisch und urkomisch – sie sprengen Grenzen, ohne die Wurzeln des Meddah zu verraten.

Die Teelichtkerze, die sie bei sich trägt, symbolisiert ein helles Herz – eines, das vor Liebe zu anderen brennt und die Gemeinschaft erleuchtet. Ursprünglich nutzte sie eine alte Gaslampe, doch nach einem gefährlichen Vorfall stieg sie auf die sicherere Kerze um. Diese kleine Flamme steht heute sowohl für die Menschlichkeit der Meddahs als auch für ihre eigene herzliche und mitreißende Präsenz.

Ihre Projekte wuchsen im Laufe der Jahre: von der Serie Meddah Moderne (2018–2020) bis zu einem interaktiven Workshop 2022 in den Sophiensælen. 2024 geht sie mit Meddah in Bewegung auf Tournee und besucht Köln, Hamburg und München, um den interkulturellen Dialog zu fördern.

Arols Arbeit hat den Meddah für ein zeitgenössisches Publikum neu erfunden – eine Verbindung aus Humor, Politik und Tradition. Ihre Auftritte regen zum Nachdenken an und schaffen Brücken zwischen Kulturen, in Berlin und darüber hinaus. Mit jeder Vorstellung hält sie die Kunstform am Leben und prägt sie dabei ganz eigenwillig um.

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