Kritik am Apotheken-Reformgesetz: Höhere Kosten für die Krankenversicherung drohen

Heidelore Binner
Heidelore Binner
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Ein blauer Hintergrund mit wei├čer Schrift und einem Logo, das "19 Millionen Amerikaner werden sch├Ątzungsweise 400 US-Dollar pro Jahr an Arzneikosten sparen" lautet.Heidelore Binner

Kritik am Apotheken-Reformgesetz: Höhere Kosten für die Krankenversicherung drohen

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) hat auf den Entwurf des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) der Bundesregierung reagiert. Zwar begrüßt der Verband einige strukturelle Reformen, warnt jedoch vor steigenden Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Besonders kritisch sieht er die ausgeweiteten Substitutionsregeln sowie die finanziellen Auswirkungen neuer Notdienstpauschalen.

Bisher erhielten Apotheken für Nacht- und Notdienste 21 Cent pro verordnete Packung sowie eine feste Vergütung von 550 Euro pro vollständiger Notdienstschicht – ein Satz, der seit 2013 unverändert blieb.

Der Gesetzentwurf enthält mehrere Änderungen, die der vdek unterstützt. Dazu gehören höhere Zuschläge für Nacht- und Notdienste, Fördermittel für teilweise Notdienstabdeckungen sowie vereinfachte Verfahren zur Eröffnung von Filialapotheken. Zudem befürwortet der Verband das geplante Modell der Selbstverwaltung bei der Aushandlung der Apothekenvergütungen. Allerdings besteht er darauf, dass etwaige Erhöhungen der Vergütung im Rahmen von Verhandlungen und nicht durch gesetzliche Vorgaben erfolgen sollten.

Gleichzeitig lehnt der Verband andere Teile der Reform entschieden ab. Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die erweiterte Entscheidungsfreiheit für Apotheker, von kostengünstigen Arzneimittelwahl abzuweichen. Der vdek warnt, dass dieser Schritt die finanzielle Stabilität der GKV gefährdet, die bereits unter Druck steht. Die neuen Substitutionsregeln hält er für unnötig, um die Arzneimittelversorgung zu sichern, und befürchtet, dass sie die Kosten ohne klaren Nutzen in die Höhe treiben könnten.

Ein weiterer strittiger Punkt ist die Abschaffung der rückwirkenden Nullpreis-Anpassungen (Nullretaxationen). Der Verband argumentiert, dass diese Änderung die Wirtschaftlichkeitsprüfungen schwächen und Rabattverträge mit Arzneimittelherstellern stören könnte. Um die steigenden Ausgaben auszugleichen, schlägt der vdek vor, den Fonds für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) aufzulösen, in dem derzeit rund 540 Millionen Euro ungenutzt liegen. Diese Mittel sollten stattdessen zur Finanzierung der Notdienstpauschalen verwendet werden.

Die Position des Verbandes spiegelt die allgemeinen Bedenken hinsichtlich der finanziellen Folgen der Reform wider. Zwar anerkennt er Fortschritte bei der Notdienstfinanzierung, doch fürchtet er, dass die Gesamtänderungen die GKV mit vermeidbaren Kosten belasten werden.

Das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz steht nun vor einer genauen Prüfung seiner finanziellen Auswirkungen. Während der vdek einige Reformen befürwortet, übt er scharfe Kritik an den erweiterten Substitutionsregeln und den Finanzierungsmechanismen. Die Debatte zeigt das Spannungsfeld zwischen der Verbesserung der Apothekenleistungen und der Kontrolle der Gesundheitskosten auf.

Sollte das Gesetz verabschiedet werden, wäre dies die erste größere Reform der Notdienstvergütung seit 2013. Das Ergebnis wird entscheiden, wie Apotheken künftig Servicequalität und wirtschaftliche Tragfähigkeit in Einklang bringen können.

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