Revolution beim Minijob: Bundesagentur für Arbeit plant radikale Abschaffung der 520-Euro-Grenze

Friederike Ruppersberger
Friederike Ruppersberger
2 Min.
Ein altes deutsches Wertpapier, das von der deutschen Regierung ausgegeben wurde und Text und Zahlen enthält.Friederike Ruppersberger

IWH: Abschaffung der Mini-Jobs würde Nettoeinkommen reduzieren - Revolution beim Minijob: Bundesagentur für Arbeit plant radikale Abschaffung der 520-Euro-Grenze

Deutschlands Minijob-System steht vor tiefgreifenden Änderungen – zumindest wenn es nach einem neuen Vorschlag des Bundesagentur für Arbeit (BfA) geht. Die Arbeitsgruppe will die niedrig bezahlten, steuerfreien Beschäftigungsverhältnisse in reguläre Arbeitsverträge umwandeln. Begründet wird dies damit, dass Minijobs einen Schattenarbeitsmarkt mit schwächeren Arbeitnehmerrechten geschaffen hätten. Doch die Reform könnte Millionen Beschäftigte finanziell belasten – während der Staat Milliarden zusätzliche Einnahmen verbuchen würde.

Die Arbeitsgruppe argumentiert, Minijobs hätten sich zu einem eigenständigen, unregulierten Arbeitsmarkt entwickelt. Dieses System untergrabe faire Löhne, begünstige Schwarzarbeit und lasse Beschäftigte ohne ausreichenden sozialen Schutz zurück. Als Lösung schlagen die Christdemokraten vor, Minijobs schrittweise abzuschaffen und durch reguläre Verträge mit voller Steuer- und Sozialabgabenpflicht zu ersetzen.

Ausnahmen soll es für Studierende, Rentner und Nebenjobber geben, deren aktuelle Freigrenzen bestehen bleiben. Auch geringfügige Beschäftigung wie gelegentliche Aushilfsjobs wären von den Änderungen nicht betroffen. Dennoch warnen Experten: Bis zu vier Millionen Minijobber könnten unter dem Strich weniger Nettoeinkommen haben, wenn sie in das reguläre System gezwungen werden.

Ökonomen bewerten die Pläne unterschiedlich. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rät zu einem schrittweisen Übergang, um die Belastung für Arbeitnehmer und Unternehmen abzufedern. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hingegen befürwortet eine komplette Abschaffung der Minijobs. Stattdessen solle der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer angehoben werden, um die Verluste für Geringverdiener auszugleichen.

Eines steht fest: Der Staat würde kräftig profitieren. Allein in diesem Jahr könnten die Sozialversicherungssysteme durch die Umstellung rund 4,5 Milliarden Euro mehr einnehmen. Unklar bleibt jedoch, wie sich die Reform auf den Arbeitsmarkt auswirken würde – einige Stellen könnten wegfallen, andere möglicherweise in Vollzeitverträge mit längeren Arbeitszeiten umgewandelt werden.

Ziel des Plans ist es, Schlupflöcher im deutschen Arbeitsmarkt zu schließen, indem Minijobs in ihrer aktuellen Form abgeschafft werden. Wird die Reform umgesetzt, würde sie Millionen Menschen in reguläre Beschäftigung drängen – mit geringerem Nettolohn, aber höheren Staatseinnahmen. Ob sich die Veränderung positiv oder negativ auf Jobs und Arbeitsbedingungen auswirkt, hängt davon ab, wie schnell und sorgfältig die Neuerungen eingeführt werden.

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